Die Masche mit den 4-Cent-Briefen01/2017

Immer wieder sind ominöse 4-Cent-Briefe Thema auf unseren Tauschtagen. Und das nicht erst seit dem in den Medien immer häufiger die Rede von sogenannten "Reichsbürgern" ist. In der Neuen Westfälischen vom 22. Dezember 2016 habe ich dazu einen Artikel von Sigurd Gringel und Ulf Hanke gelesen:

 

Schloß Holte-Stukenbrock. Wolfgang D. hat seltsame Post im Briefkasten. Ein weißer Umschlag, im Sichtfenster ist er als Adressat und Absender zugleich genannt. Kurios: Der Umschlag ist nur mit einer 4-Cent-Marke frankiert. Wolfgang D. soll 1,40 Euro nachbezahlen – und geht zur Post.Was D. da aus seinem Briefkasten gefischt hat, ist ziemlich sicher Propaganda aus dem Reichsbürger-Milieu. Das geht aus dem Inhalt des Briefes hervor. Ähnliche Schreiben sind bereits im Osnabrücker Raum aufgetaucht. Auch dort klebte nur eine 4-Cent-Briefmarke auf dem Umschlag.D. hat den Brief geöffnet. Laut Briefkopf kommt er von einer nicht näher erläuterten „AG Sophie Scholl". Der Name der Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus wird in diesem Brief offensichtlich missbraucht, um krudes Gedankengut in die Welt hinaus zu tragen.Reichsbürger bezweifeln die Rechtmäßigkeit der Bundesrepublik Deutschland. Einige Gruppen der Szene glauben, Deutschland falle noch unter alliiertes Besatzungsrecht. Von diesem Standpunkt aus ist es nicht mehr weit zur Behauptung, dass alle Deutschen in Wahrheit Kriegsgefangene der Alliierten seien.In diese Kerbe schlägt auch der Brief, den D. erhalten hat. Er wird in der Anrede als „Insasse" bezeichnet, seine Adresse ist mit „Wohnhaft" und „Lager Nr. [33758]" beschrieben. Die Lagernummer ist die Postleitzahl, in eckige Klammern gesetzt.In dem Brief behauptet die „AG Sophie Scholl", dass sämtliche Medien „ihrer Verpflichtung zur unabhängigen Berichterstattung nicht mehr nachkommen" und „gefälschte Informationen" verbreiten, ohne diese zu korrigieren. Wer sich über die tatsächlichen Hintergründe eine Meinung bilden wolle, müsse im Internet nachsehen. Und zwar auf Seiten, die die „AG Sophie Scholl" empfiehlt. Darunter stehen Angebote von seriösen Medienjournalisten, aber auch Internetauftritte kruder Verschwörungstheoretiker.

Auch andere Regionen betroffen

Der seriöse Medienblogger Boris Rosenkranz von Uebermedien.de nimmt das gelassen: „Wir haben nichts dagegen, umso besser, wenn die Leute zu uns kommen und lesen. Dann geraten sie nicht auf die schiefe Bahn. Oder vielleicht kommen sie runter, wenn sie schon drauf sind."Der Staatsschutz in Bielefeld lässt mitteilen, dass er keine Erkenntnisse über diese Gruppe oder Person habe, und dass sie in dieser Form nicht bekannt sei. Ähnlich beschreibt es auch die Landeszentrale für politische Bildung. „In NRW bislang nicht auffällig", heißt es.Der Sprecher der Deutschen Post, Rainer Ernzer, kennt solche Fälle: „So etwas wird immer wieder versucht." Es sei kein Phänomen, das derzeit ausschließlich durch OWL schwappe, diese Briefe kommen auch in anderen Regionen vereinzelt vor. Tatsächlich berichten mehrere Internetseiten von dieser Masche. Nicht immer steckt die „AG Sophie Scholl" dahinter, mitunter sind es auch esoterisch anmutende Gruppen.Allen ist gemeinsam, dass sie sich auf einen Weltpostvertrag aus dem 19. Jahrhundert beziehen. Dort seien angeblich Tarife festgelegt, die noch gültig seien. Den Vertrag gibt es, allerdings beinhaltet er keine nationalen Tarife oder Preise. Er bezieht sich auf Vergütungen zwischen Postunternehmen bei Sendungen ins Ausland.Ernzer sagt, dass der Empfänger grundsätzlich die Annahme so eines Briefes verweigern könne, dann müsse die Post versuchen, den Absender zu ermitteln. Ernzer: „Wir haben schließlich eine Leistung erbracht, die muss auch bezahlt werden." Kann der Absender nicht ermittelt werden, bleibe die Post auf den Kosten sitzen. Oder der Empfänger könne das fehlende Porto nachzahlen plus Einziehungsentgelt, das noch einmal genauso hoch ist. Für diesen 70-Cent-Brief wären das 66 Cent Nachporto plus 70 Cent Gebühr, also 1,36 Euro.Wolfgang D. musste nach Vorsprache auf der Poststelle nicht nachzahlen. Hätte er auch nicht. Warum gerade er den seltsamen Brief erhalten hat, kann er sich nicht erklären. Der „AG Sophie Scholl" steht er nicht nah, er kennt die AG nicht, sagt er. Und die im Brief enthaltene Auffassung gezielter Fehlinformationen der Medien teilt er ebenfalls nicht.

Kommentar: "Bei der Wahrheit nicht so genau"

Sigurd GringelDie Argumentation ist typisch für sogenannte Reichsbürger. Mit dem Hinweis auf einen Artikel eines Nachrichtensenders will die AG Sophie Scholl erklären, warum das 4-Cent-Porto auf dem Brief berechtigt ist. Der Artikel beschreibt, dass Deutschland und seine ehemaligen Verbündeten im Zweiten Weltkrieg in der UN-Charta als Feindstaaten angesehen werden.Am Ende des Artikels kommen zwei Politologen zu Wort, die unisono erklären, dass die Passage obsolet und ein Relikt von 1945 ist.Für die Hintermänner der AG Sophie Scholl zählt das nicht. Sie picken sich ihren Teil der Informationen heraus, der in ihr Bild passt. Und genau so gehen Reichsbürger vor. Sie werfen mitunter mit Paragrafen um sich, die nicht mehr gelten, oder sie geben sie unzureichend wieder.Den Maßstab der Wahrheitstreue sollten diese Leute jedoch zuerst an sich selbst anlegen.

(Ein Beitrag von W. Blöbaum)

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